Kanton-Messe schließt Vorbestrafte aus
2008-04-14 11:21  german.china.org.cn

Trotz Beschwerden von potenziellen Investoren und öffentlichen Kontroversen will das Organisationskomitee der Import- und Exportwarenmesse in Kanton Aussteller und Journalisten verpflichten, nachzuweisen, dass sie nicht vorbestraft sind. Ausländische Besucher sind von dieser Regel ausgenommen.

"Unsere Kontrollinstanz hat auf dieser Anforderung bestanden, um während der Veranstaltung die Sicherheit effektiv garantieren zu können", erklärte die Pressebeauftragte des Organisationskomitees, Liang Yanfang, gegenüber der China Daily.

Um einen solchen Nachweis zu erhalten, müssen die Aussteller sich an die Polizei oder die Handelsdelegationen der Provinzen wenden, während Journalisten ihre Unterlagen von der Polizei oder den für Medien zuständigen Behörden unterzeichnen lassen müssen, sagte Liang weiter.

Die Organisatoren der Messe hatten diese Entscheidung bereits in der vergangenen Woche bekannt gegeben. Antragsteller müssen bis Donnerstag ihre Papiere einreichen.

"Wir denken, da es sich hier um Chinas größte Handelsveranstaltung handelt, dass Sicherheit sehr wichtig ist, vor allem nach Ausbruch der Unruhen in Südwestchina im Vorfeld der Olympischen Spiele", erklärt Li Guangjun, Marketingmanager eines Keramikunternehmens in Chaozhou in der Provinz Guangdong.

"Allerdings ist es für mich äußerst umständlich, ein solches Dokument zu erhalten, da ich nicht aus Chaozhou stamme. Daher muss ich vermutlich in meine Heimatstadt in die Provinz Anhui fahren, um es zu erhalten."

Darüber hinaus fragt sich Li, ob die neue Anforderung effektiv ist. "Es ist für Personen mit bösen Absichten nicht sehr schwer, gefälschte Dokumente zu erhalten", sagt Li. "Außerdem sind vermutlich viele Kriminelle noch gar nicht gefasst worden und haben daher kein Vorstrafenregister."

"Und bei Personen, die einmal kriminell waren, müssen wir uns fragen, ob der Satz 'einmal ein Krimineller, immer ein Krimineller' wahr ist."

Auch der in Guangzhou praktizierende Rechtsanwalt Lu Dequan ist mit der Anforderung nicht einverstanden: "Die Teilnahme an der Messe ist eher eine Unternehmens- als eine individuelle Angelegenheit. Es ist sowohl unnötig als auch unbegründet, Aussteller und Journalisten zu nötigen, derartige Dokumente zu präsentieren, denn, selbst wenn eine Person vorbestraft ist, ist dies kein Grund, ihn zurückzuweisen", sagt Lu.

Die Organisatoren sollten sich stattdessen mehr darauf konzentrieren, die Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern, meint Lu.

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